Gott spricht: Ich will dem Durstigen geben von der Quelle des lebendigen Wassers umsonst.

(Offenbarung 21,6 – Jahreslosung für 2018)

Ohne Wasser kein Leben - so einfach ist das hier auf der Erde. Wo Wasser ist, da wachsen Pflanzen, da können Menschen und Tiere leben. Wo kein Wasser ist, da ist Wüste, da herrscht letztlich der Tod. Verständlich ist es von daher, dass die Heilige Schrift immer wieder vom Wasser spricht, um das Leben zu beschreiben, das noch viel mehr ist als das physische Leben, das auf die Zufuhr von H²O angewiesen ist. Das Bild leuchtet ein - und so spricht uns auch die Jahreslosung dieses Jahres 2018 ganz unmittelbar und elementar an, genauso wie das Bild der Künstlerin Ulrike Wilke-Müller. Da sieht man am unteren Bildrand grüne Pflanzen, die nach oben wachsen, dem Licht entgegen - ja, aber wohl mehr noch dem Wasser entgegen. Denn da, wo sie wachsen, ist es braun, ist es trocken. Von dort ist kein Wasser zu erwarten, kein Leben. Wo kommt das Wasser in dieser Bild her? Es kommt nicht her aus dem blauen Himmel in der oberen Hälfte des Bildes. Sondern das Wasser kommt aus einer ganz anderen Welt, die schon mitten in dieser Welt des jetzigen Himmels und der jetzigen Erde gegenwärtig ist und doch zugleich ganz anders ist - voller Licht, voller warmer Farbe, und eben zugleich: voll lebendigen Wassers.

Was für eine gute Nachricht: Da gibt es mitten in unserer Welt schon eine Quelle des lebendigen Wassers, aus der wir schöpfen dürfen, die uns wachsen lässt und uns Leben schenkt, das nicht in dieser vergehenden Welt begründet ist. Was können wir von dieser ganz anderen Welt erkennen, die jetzt schon in dieser Welt zu finden ist und doch zugleich so ganz anders ist? Der Zugang zu dieser Welt erfolgt einzig und allein über das Kreuz, so macht es das Bild von Ulrike Wilke-Müller sehr eindrücklich deutlich. Zugang zu dieser neuen Welt bekommen wir nur, wenn wir auf den gekreuzigten Christus blicken und an ihn glauben, auf ihn, von dessen Leib gerade am Kreuz das Wasser des Lebens floss. Wo Christus ist, da ist das Wasser des Lebens, da ist das neue Leben, das über all das hinausreicht, was wir in dieser Welt erfahren und bekommen können. Und eben darum steht das Kreuz ganz im Zentrum dieses Bildes und strahlt aus, ganz in Weiß. Der Tod Christi am Kreuz - er ist für uns gerade nicht das Ende, sondern Beginn, Quelle des neuen Lebens. Und je mehr ich auf dieses Kreuz schaue, werde ich gleichsam jetzt schon selber in diese neue Welt hineingezogen, in das Geheimnis dessen, was sich noch hinter der leuchtend orangenen Oberfläche verbirgt.

Doch noch sind wir nicht da, noch finden wir uns viel eher wieder in den grünen Pflanzen am unteren Bildrand. Wir sehnen uns nach Leben, nach wahrem Leben, nach einem Leben ohne Krankheit, ohne Tod, ohne Angst davor, abgeschoben zu werden. Wir sehnen uns nach einem Leben, in dem es kein Unrecht mehr gibt, nach einem Leben, in dem wir endgültig aufblühen können. In dieser Welt finden wir es nirgendwo. Da werden unsere Hoffnungen und Sehnsüchte immer wieder bitter enttäuscht, so erleben es so viele von uns Tag für Tag. Da ist es oft so schwer, durchzuhalten und nicht aufzugeben. Doch aus der neuen Welt Gottes fallen die Tropfen schon auf die Pflanzen, lassen sie weiter wachsen und nicht vertrocknen. Nur ein paar Tropfen? Stellen wir uns eine Quelle nicht doch sehr viel wasserreicher vor? Gewiss: Wenn wir einmal endgültig von Christus hineingezogen sein werden in das Licht im Zentrum dieses Bildes, dann werden wir in vollen Zügen aus dieser Quelle trinken und schöpfen dürfen. Doch die Tropfen, die jetzt schon aus dieser Quelle in unser Leben hineinfallen, sie reichen aus, um uns jetzt schon aufleben zu lassen, um uns jetzt schon Anteil zu geben an diesem Leben, das wir einmal in aller Fülle genießen werden. Die Tropfen des lebendigen Wassers aus der Ewigkeit - sie haben uns schon erreicht, als das Wasser der Heiligen Taufe über unseren Kopf floss, als Gott uns das unumstößliche Versprechen gegeben hat, dass unser Durst nach Leben einmal endgültig gelöscht werden wird in seiner neuen Welt. Die Tropfen des lebendigen Wassers aus der Ewigkeit - sie stillen jetzt schon unseren Durst nach Leben, wenn wir den Leib und das Blut des gekreuzigten Christus empfangen im Heiligen Mahl. Ja, da ist diese neue Welt Gottes schon ganz in unserer Mitte, da erfahren wir es, dass wir schon hier und jetzt aus derselben Quelle trinken dürfen wie die, die sich jetzt schon im ewigen Lichtglanz Gottes in seiner neuen Welt wärmen dürfen.

Diese neue Welt Gottes - sie ist nicht einfach nur ein schöner Wunschtraum. Sie ist jetzt schon da, und dass wir daran werden teilhaben dürfen, hat Gott fest versprochen. Und so ist diese neue Welt Gottes umgeben von den Farben des Regenbogens, der uns daran erinnert, dass Gott hält, was er verspricht. Mit dieser tröstlichen Aussicht dürfen wir in das neue Jahr 2018 gehen, dürfen uns immer wieder dahin ausstrecken, wo die neue Welt Gottes schon jetzt mit dem lebendigen Wasser in unser Leben hineintropft. Umsonst bekommen wir dieses Leben. Wir müssen es uns nicht verdienen; es wird uns einfach geschenkt. Was für eine Lebensperspektive: Beschenkt zu werden in alle Ewigkeit. Genau darum geht es in unseren Gottesdiensten auch in diesem neuen Jahr: Dass wir genau das einüben: Nichts von uns selber und alles von Gott zu erwarten, der schon hier und jetzt unseren Durst nach Leben stillt - ganz umsonst! Dass wir dies gemeinsam immer wieder erfahren, wünscht Ihnen